Wenn Journalisten Meinung BILDen…
von Christopher Gordjy
Kennen Sie dieses Gefühl? Sie schlagen eine Zeitung auf, lesen einen Artikel und wollen währenddessen am liebsten die Zeitung wegwerfen vor lauter Ärger über den Autor? Ich bemühe mich dann meistens noch, den Standpunkt des Autors verstehen zu wollen; manchmal aber scheint mir dieser so vor Verblendung und/oder Dummheit zu triefen, dass mir gar nichts anderes übrig, als mich aufzuregen.
So geschehen heute vormittag beim Lesen der BILD-Zeitung. Auf Seite 2 der BILD-Kommentar: "Richtig so, Frau Kraft!". Geschrieben von niemand geringerem als Hugo Müller-Vogg.
Für diejenigen unter Ihnen, die mit diesem Namen nichts anfangen können: Hugo Müller-Vogg ist quasi der Presse-Beauftragte von Union und FDP. Vor der Bundestagswahl 2009 schrieb er ein Buch mit dem Titel "Volksrepublik Deutschland - 'Drehbuch' für die Rot-Rot-Grüne Wende", in dem er folgendes Szenario beschrieb: Nach der Wahl bilden CDU/CSU und SPD mangels Alternativen wieder eine große Koalition, die die SPD aber 2010 zugunsten eines Linksbündnisses platzen lässt.
Schon dieses Buch zeigt einen enormen Mangel an Verständnis und Kenntnis der politischen Lage und der handelnden Personen; einem Franz Müntefering ein Bündnis mit der Linkspartei zu unterstellen ist in etwa so realistisch, wie Angela Merkel ein Bündnis mit der NPD. Des weiteren zeigt Müller-Vogg in diesem Buch einen Hang zum Zynismus (in Anbetracht des anfangs erwähnten Artikels spare ich mir das Wort Populismus zu diesem Zeitpunkt noch), da ausgerechnet Altkanzler und Gazprom-Vorstand Gerhard Schröder neuer Energiebeauftragter wird. Über Sinn und Unsinn kann man hier streiten...
Nun aber zum Kommentar am heutigen Tag: In diesem lobt ebenjener Hugo Müller-Vogg die stellvertretende SPD-Vorsitzende Hannelore Kraft für ihre Äußerungen zur Hartz-IV-Debatte (eigentlich schon ein sicheres Zeichen dafür, dass er sie wohl missverstanden hat). Kraft hatte empfohlen, Langzeitarbeitslosen eine Perspektive aufzuzeigen, indem man ihnen angemessen bezahlte gemeinnützige Jobs (z.B in Altenheimen, Sportvereinen etc.) verschafft. Nun sollten Menschen mit einem gewissen Mindestmaß an analytischem Verstand durchaus in der Lage sein, diese gutgemeinten Vorschläge vom populistischen, klischeebehafteten und ahnungslosen Geschwätz eines unterbeschäftigten Außenministers zu unterscheiden, aber bei der BILD scheinen solche Leute sowieso Mangelware zu sein. Müller-Vogg nämlich schreibt als melodramatischen Höhepunkt in seinem Schlusssatz: "Westerwelle und die Liberalen dürfen sich freuen: Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung." Mag ja sein, aber bei der BILD-Zeitung zu arbeiten, ist immer noch die höchste Form geistigen Verfalls...
Neulich bei der Bundeswehr…Teil 4
von Christopher Gordjy
Diesmal mit dem beliebten Thema Abkürzungen:
Abkürzungen sind bei der Bundeswehr ähnlich in der Mode wie Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche. Ein Beispiel: So könnte ein schriftlicher Befehl eines Hauptmanns an einen Stabsgefreiten aussehen:
"SG Dosenkohl, nach der Mittagsverpflegung holen Sie vom GvD/UvD die Schlüssel für den 512er ab und fahren den BttrFw, den BttrTrFü, den BttrEinsOffz, den ErkFw, den NDF und mich, den BttrChef zur LHBW. Abmarsch um 081330Amär10." Noch Fragen?
(Das Ganze bedeutet folgendes: Stabsgefreiter Dosenkohl, nach der Mittagsverpflegung holen sie vom Gefreiten vom Dienst / Unteroffizier vom Dienst die Schlüssel für den 512er (letzte Ziffern des Autokennzeichens) ab und fahren den Batteriefeldwebel (im Volksmund: Spieß), den Batterietruppführer, den Batterieeinsatzoffizier, den Erkundungsfeldwebel, den Nachschubsdienstfeldwebel und mich, den Batteriechef zur Bekleidungskammer. Abmarsch um 13:30 Uhr am 8.März 2010.)
Liebe Leser, Gefreiter Gordjy, ich melde mich ab!
Verdrossenheit
von Christopher Gordjy
"Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht." - Abraham Lincoln
An was erinnert Sie die Zahl 70,8? An nichts? Nun das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn es ist eine der Zahlen, die normale Menschen kalt lässt und nur eine Sorte von ihnen zum Weinen bringt: Politiker...
70,8% war die Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl 2009, bei der Wahl, die im allgemeinen Verständnis als die wichtigste überhaupt angesehen wird. Nach der Wahl haben sich wieder unheimlich viele schlaue Leute zu Wort gemeldet, und (sofern sie ihr Siegesgeheul oder, alternativ, ihre Tränen überwunden hatten) das magische Wort von der "Politikverdrossenheit" wieder in den Mund genommen.
"Politikverdrossenheit" - was ist das eigentlich? Ist es das altbekannte Gerede von "denen da oben" oder von "Was kann ich schon ändern?" Oder ist es mehr; sind nicht auch Ansichten wie "Ich mochte Adenauer, darum wähle ich CDU" oder "In der DDR ging es mir besser, darum wähle ich die Linke" genauso politikverdrossen? Und woher kommt diese Politikverdrossenheit überhaupt? Befassen wir uns mit "denen da oben".
"Die da oben" - wohl eines der berühmtesten deutschen Schimpfwörter, gebräuchlich für Politiker wie für Banker, für Armeegeneräle wie Lobbyisten. Woher kommt diese Pauschalisierung? Offensichtlich scheinen all diese Leute etwas an sich zu haben, das sie von der breiten Masse abhebt - jedenfalls in den Augen der breiten Masse. Oder liegt es doch am Egoismus der Menschen? Ein paar Beispiele:
Steuererhöhungen: Nicht jeder Mensch in Deutschland kennt den genauen Wert der Verschuldung unserer Republik. Ist ja auch egal, bis wir die Zahl ausgesprochen haben, ist die Verschuldung wahrscheinlich schon wieder 20.000 Euro höher. Aber jeder weiss: Deutschland hat Schulden. Jeder weiss - und ist dafür-: Schulden müssen bezahlt werden. Und jeder weiss auch: Geld wächst nicht auf Bäumen. Jeder Deutsche weiss das - übrigens auch jeder Grieche. Aber wehe, irgendeiner von "denen da oben" maßt sich an, dem kleinen Mann (noch so ein herrliches Schlagwort der deutschen Politik) an die Börse zu wollen, zum Wohle des Staates. Schulden bezahlen, na immer doch! Aber doch nicht mit meinem Geld...
Soviel zum Thema Egoismus. Sollte jetzt der Eindruck entstanden sein, das Volk träge die volle Schuld selbst und solle sich mal nicht so anstellen: das sage ich nicht und werde es auch nie sagen. Auch für das Gegenteil gibt es Beispiele:
Populismus: Was Goebbels und Lafontaine vormachen, kann ich schon lange, denkt sich Guido Westerwelle: Man nehme sich eine schwache Gruppe in der Gesellschaft, möglichst mit Vorurteilen behaftet, und schlage möglichst hart und öffentlichkeitswirksam auf diese ein, und voila: fertig ist der Erfolg.
Guido Westerwelle hat das alte Klischee vom biertrinkenden, rauchenden, assozialen Arbeitslosen, der den Tag in Unterhemd und Jogginghose auf der Couch verbringt, wieder zum Leben erweckt. Und scheinbar hat er damit ja sogar - zumindest kurzfristig- Erfolg. Mag sein, dass es solche Fälle immer mal wieder gibt; darüber will ich gar nicht streiten.
Aber eine Sache gibt es da schon die mich stutzig macht: Einige von Ihnen werden sicherlich auch den Fehler gemacht haben und ihr Kreuz bei der FDP gesetzt haben. Damit haben Sie ja dann offensichtlich beabsichtigt, Guido Westerwelle in die Regierung zu bringen. Was ich mich frage: Ist dieser Mann, der seine Umfragewerte mit der Kritik an Arbeitslosen erhöhen will, nicht eigentlich unser Außenminister? Wird dieser Mann nicht von unseren /Ihren Steuergeldern bezahlt, damit er unser Land im Ausland vertritt? Was zur Hölle gehen diesen Mann unsere Arbeitslosen an??? Es ist ja nicht so, das wir keine außenpolitischen Probleme haben, um die er sich kümmern könnte! Und vor allem: Warum kommt kein anderer auf diese Frage?
Und jetzt stellen Sie sich mal einen Menschen vor, der sowieso schon eine leichte Neigung zum "die da oben"-Klischee hat: Jetzt fängt "der da oben" an, aus Eigennutz "die da unten" mit Dreck zu beschmeißen. Ein Mann, der ein Monatsgehalt von ca. 20.000 Euro hat, macht sich über Leute her, die von ca. 350 Euro monatlich leben, und dann ist es nicht mal sein Aufgabenbereich??? Da würde ich auch politikverdrossen werden...
Politikverdrossenheit ist also immer mit dem Gefühl verbunden, von "denen da oben" über den Tisch gezogen zu werden. Und doch liegen die Ursachen auf beiden Seiten der Gesellschaft, oben wie unten. Erst wenn die Politiker wieder begreifen, das ein Mandat Vertrauen auf Zeit ist, und die Bürger lernen, zwischen Bescheissen und Handeln zum Wohle des Staates zu unterscheiden, dann werden wir nach Wahlen nicht mehr über "Politikverdrossenheit" reden müssen...
Podcast ‘010.3 – Gesellschaftliche Toleranz und Neid
von Sebastian Klemm-Lorenz
Ich rede in dieser Ausgabe des Podblogvlog Podcasts über Neid - der zu Hass führt und als Pfad der dunklen Seite gilt. Hören ihn du willst! (Irgendwo mittendrin gibt's einen kurzen Aussetzer von ca. 5 Sekunden. Einfach mit singen überbrücken!)
Neulich bei der Bundeswehr…Teil 2
von Christopher Gordjy
Hier ein weiteres Beispiel über Spaß bei der Bundeswehr:
Vor einiger Zeit hatte ich die Ehre, meiner Einheit beim Flugzielschiessen zu assistieren. Kurzer Input: Ein Lear-Jet zieht 1 km hinter sich ein Flugziel her, auf das dann mit dem FlaPanzer Gepard geschossen wird. Nun wäre es natürlich suboptimal, würde ein anderes Flugzeug oder gar ein Schiff (das ganze findet nämlich an der Ostsee statt) in das Zielgebiet fahren/fliegen. Zu diesem Zweck gibt es die sogenannten Vedetten. Nein das hat nichts mit Blutrache zu tun, sondern bezeichnet sogenannte Küstenposten, die die Grenzen des Zielgebietes beobachten.
Voller Enthusiasmus wegen dieser sehr wichtigen Aufgabe stand ich nun zur Einweisung bereit, die folgendermaßen eingeleitet wurde: "Morgen Männer, eigentlich muss ich euch nicht viel erklären, denn bei dem Wetter habt ihr sowieso eine maximale Sichtweite von 3 km, während unser Radar Schiffe auf 25km nicht nur sehen, sondern auch identifizieren kann..." Mir wars relativ egal, ich krieg ja dafür Geld - und wenn Sie sich noch nie gefragt haben, waseigentlich so mit Ihren Steuergeldern passiert, sollten Sie jetzt vielleicht mal damit anfangen...
Liebe Leser, Gefreiter Gordjy, ich melde mich ab!
Das gelb-blaue Chamaeleon
von Christopher Gordjy
Ein Politiker muss heutzutage wandlungsfähig sein, er muss in der Lage sein, das, was er gestern gut fand, morgen überzeugend verteufeln zu können.
Heutzutage beherrscht wohl kein Mann diese schnellen 180°-Wendungen so gut wie Guido Westerwelle. Vom Pausenclown der Politik mit seinem "Projekt 18" zur Bundestagswahl 2002 schien er zu einem Mann gereift zu sein, dem man Verantwortung übertragen kann - so dachten jedenfalls 14% der deutschen Wähler am 27. September 2009.
Nach nunmehr knapp über 3 Monaten Regierungszeit haben Westerwelle und seine FDP erneut eine komplette Kehrtwendung vollzogen - aus meiner Sicht ein "back to basics"
Die FDP, die jahrelang als reine Klientelpartei der Besserverdienenden galt, zog als Bürgerrechts- und Steuersenkungspartei in den Wahlkampf - und ist nun wieder da, wo sie vorher war: bei 7 % Zustimmung und bei Steuersenkungen für Besserverdienende.
Guido Westerwelle selbst versucht nunmehr, seine Partei mit markigen Sprüchen zu Hartz IV-Empfängern aus der Krise zu reissen, und scheinbar hat er damit sogar Erfolg: Denn heute titelte BILD.de:
Neue Umfrage: Buerger geben Westerwelle bei Hartz IV Recht
(zitiert nach: Bildartikel)
Jaja auch das ist ein altbekanntes und leider vergessen geglaubtes Mittel der deutschen Politik: Wenn man keine sachlichen Argumente mehr hat, dann hilft nur noch Populismus. Oder glauben sie, der alte Goebbels hätte sachlich einen "totalen Krieg" begründen können...
Neulich bei der Bundeswehr…Teil 1
von Christopher Gordjy
Nun habe ich ja schon 5 Monate lang die Ehre, unser Volk mit dem Dienst an der Waffe zu verteidigen. Und fühlen sie sich seitdem sicherer? Nicht?!? Na sowas...
Aber man sollte nicht denken, das es bei der Bundeswehr nix zu lachen gibt. Im Gegenteil: Hier ein erstes Beispiel:
(überliefert von einem Kameraden aus einer anderen Kaserne)
Ein Februartag, kalt und verschneit, und natürlich (sonst wärs ja nicht witzig) FREITAG!!! Eine ganze Kaserne freut sich auf das Wochenende, doch dann: ein Aufschrei aus der Waffenkammer: "Ein Fernglas fehlt!!!"
Da Ferngläser - wie allgemein bekannt sein dürfte - gleichzeitig die Zerstörungskraft einer 100-Tonnen-Atombombe sowie sämtliche geheimen Frequenzen, auf denen die NATO kommuniziert, enthalten, passierte logischerweise folgendes: Meldung an den Kommandanten, Abriegelung der Kaserne und dann: SUCHEN...
Folge: 60 missgestimmte Soldaten graben eine Fläche von 3 Fußballfeldern, bedeckt mit 30 cm Schnee, komplett um. Dauer: 4 Stunden. Natürlich wurde das Ding gefunden: in der Tasche eines Kameraden...
Auch hier sehen wir wieder, wie man am besten durch die Bundeswehr kommt: Stumpf ist Trumpf!!!
Liebe Leser, Gefreiter Gordjy, melde mich ab!
Ein verfassungsfeindlicher Text?
von Siasebtan Kelmm-Lronez
Ich möcthe hmireit alle Mhensecn dzau aurfufen, den Bunedsatg zu strüemn und mit Gelwat die Mahct zu feslsen. Stüzren wir die Dmeokrtiae in den Agbrund! Tot aelln die scih zu irhem Skavlen haebn mecahn lasesn und egwie Foetlr für jnee, die sie föredrten.
Ich rfue dzau auf, die mgäcihetn Bssoe der Baknen in alelr Öeffnticlhkiet hägenn zu lssaen. Sie sloeln erfharen, wie es ist wnen die gsemate Exinsetz am siedneen Fedan hngät.
Ich wühsnce mir, dsas den Ltueen deeisr Reiregung die Köfpe ierhr Spdener in den Hitnern geßosten wreden - und irhe Kföpe in das Ruktem irehr Spneder. Dmait sie wssien, wie es stiknt wnen man scih in den Arcsh krcieht.
Aebr das snid Digne, die nie gehcsehen wreedn. Dnen zum eenin wüdre scih das keienr traeurn - und zum arenden rfut niemnad dzau auf. Dnen enis ist sechir: Deis heir ist kien verfansusgsfinedlecihr Txet. Und heir rfut acuh ninemad zu eenir Strtfaat auf. Deis ist nur Bcuhsteabnsaalt.
Zum Gclük kmomen wrahe Verfsnsuagsfdneie nhcit auf die Iede mit Bcuhsteabnsaalt zu kmmounizeiren. Sie knönten jligceher Sratfverflugnog, Wrotfetilrn und Lsat drcuh Beewise entgheen.
Alels heir gesrebihcene dneit nur der Veranshaculhciung der Kapazitetän unsrees Gehnirs und der Iditoie uneserr Üebrwcahung swoie dem draaus rlesutireendem Sciehrhietsgeüfhl
Der oben gelesene Text spiegelt keine Meinung wieder - sollte er in der Interpretation der ihn Konsumierenden einen Sinn ergeben, so ist dieser sicherlich nicht der meine. Ich mag die Demokratie, ich akzeptiere Parteispender und die Regierung und verachte Bankerbosse auf dem gesetzlich erlaubten Level (das soll nur mal so, vollkommen ohne Zusammenhang zu irgendetwas nicht-existentem, erwähnt sein) - und ich würde niemals wollen, dass einem Menschen Leid zugefügt wird, zumindest nicht körperlich. Wiklicrh - ich meine: Wirklich!
PODCAST vom 10.02.2010 – mit Songeinlage
von Sebastian Klemm-Lorenz
In der zweiten Ausgabe dieses Jahr spreche ich über das Bundesverfassungsgerichtsurteil zu den Hartz IV Regelsätzen, öffentlichen Meinungen dazu, Sarah Palin und singe eine Ode an Guido Westerwave.
Das Lied allein kann man sich hier runter laden, wenn man will kann man auch den Songtext lesen.
